Liebe Leserin, lieber Leser,
Wenn Menschen sich lieben und gemeinsam
durchs Leben gehen wollen, stellen sich bald Fragen wie diese: Wie soll
unser gemeinsames Leben aussehen? Welche Richtung wollen wir einschlagen? Wo
soll es für uns zusammen hingehen?
Im alttestamentlichen Buch Rut
findet sich eine Bibelstelle, die sich Ehepaare gerne zur Trauung aussuchen.
Im ersten Kapitel lesen wir: „Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du
bleibst, dort bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist
mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein.“
Natürlich ist der Kontext der Bibelstelle zu beachten: Rut spricht diese
Worte nicht zu ihrem geliebten Ehemann, sondern zu ihrer Schwiegermutter und
zu ihrer Schwägerin. Und es geht vordergründig gar nicht um Liebe, sondern
um Gottvertrauen, um Treue und Zuverlässigkeit in einer freundschaftlichen
Beziehung.
Und doch sind diese Worte Ruts
auch für die partnerschaftliche Liebe bezeichnend: Denn wo Menschen
miteinander einen Lebensweg wagen, wo Menschen miteinander das Leben teilen,
dort ist die Liebe gegenwärtig.
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Eine Liebe,
die verbindet und zusammenschweißt, eine Liebe, die das Leben hindurch
tragen und bis zum Ende standhaft sein soll. Eine Liebe, die allen
Anfechtungen standhält und die im Erleben des gemeinsamen Alltags nicht
kleiner wird, sondern wächst und gedeiht. In den Worten Ruts klingt diese
Liebe durch. Denn Liebe ist letztendlich nie etwas anderes als die Zusage an
einen Menschen: Ich will bei dir bleiben, ich will meinen Lebensweg bis zum
Ende mit dir teilen.
Jedes Jahr am 14.
Februar feiern wir die Liebe: Es ist der Tag des heiligen Valentin von
Terni, der Valentinstag. Er erinnert Jahr um Jahr an die Liebe. Und er lädt
dazu ein, die Liebe im eigenen Leben zu würdigen: nicht nur die
partnerschaftliche Liebe, sondern auch die vielen Beziehungen, die man zu
Freunden oder Bekannten pflegt.
Der Valentinstag
erinnert aber auch an die Menschen, die sich nach Liebe sehnen und deren
Liebeswunsch bisher unerfüllt geblieben ist. Und er lässt hoffentlich viele
daran denken, dass es gerade in der heutigen Gesellschaft immer mehr Liebe
braucht, eine neue Solidarität, die die Würde jedes einzelnen Mitmenschen
anerkennt und fördert. So geht der Valentinstag nicht nur die Liebespaare
an, sondern letztlich jede und jeden Einzelnen in der Gesellschaft.
Pfarrer Sebastian Schmidt
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