St. Romanus Hahausen
Im Pfarrverband St. Trinitatis Neiletal

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Der Neilebote
Mitteilungsblatt des ev.-luth.
Pfarrverbandes St. Trinitatis Neiletal
St. Georg zu Lutter am Bbge.,
St. Romanus Hahausen,
St. Johannes Nauen.

 

      Sankt Romanus von Hahausen
      
Der zweimal gestohlenen Heilige

  • Es soll ein Dutzend Heilige gegeben haben, die den Namen Romanus führten. Unser "Romanus", der Namenspatron der Kirche von Hahausen, dem kleinen, uralten Dorfe am Nordwestrande des Harzes, war ein Märtyrer. Er lebte in Rom als Soldat und war dabei, als der Diakon Laurentius den Märtyrertod fand - auf einem Rost gebraten. Romanus war so von dem mutigen Sterben des Laurentius beeindruckt, dass er sich zum Christentum bekehrte. Er wollte auch Diakon werden und hatte bereits die Weihe eines Türhalters erhalten, als er wegen seines Bekennermutes enthauptet wurde. Das soll im Jahre 258 gewesen sein. Das Fest Romanus wird am 09. August gefeiert. Nach einer alten Überlieferung wurde Romanus in den römischen Katakomben beigesetzt.

  • Wann die erste Sankt- Romanus-Kirche in Hahausen errichtet wurde, konnte bisher nicht festgestellt werden. Das Corpus bonorum sagt um 1750 hierüber: "Origo und Fundation der Kirche zu Hahausen sind unbekannt. Aus ihren Umständen lässt sich mutmaßen, dass es zur Zeit des Papstthumes eine Kapelle gewesen, so in die Ehre des heiligen Romanus gestiftet worden, welchem vor vielen Jahren nach der Reformation sowohl von Papisten als Lutheranern Opfer gebracht, welches auch bis dato noch zuweilen, sonderlich zur Erhaltung der Kirche noch geschieht.

  • Zumindest in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts muss es in Hahausen bereits eine Kirche gegeben haben. 1209 wird eine "ecclesia" in einer Urkunde des Papstes Innozenz III. erwähnt, und auch Bischof Konrad von Hildesheim hätte sich wohl nicht im Dezember 1238 in Hahausen aufgehalten, wo er einen Vertrag (Goslarer Urkundenbuch I.565) schloss und ein großes Gefolge westlicher und geistlicher Herren um sich versammelte, wenn dort keine Kirche gewesen wäre.

  • Um diese Zeit dürfte auch die romanische Eichenholzfigur des Sankt Romanus geschaffen worden sein, die dann bis in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg in der kleinen Dorfkirche, die von 1792 - 1794 durch einen Neubau ersetzt wurde, recht gut aufgehoben war. Der unbekannte Schöpfer der 73 cm hohen und 28 cm breiten Figur stellte den Heiligen als das dar, was er war, als Krieger oder als Soldaten, zwar nicht als römischen, sondern in der zeitgenössischen Tracht der ausgehenden Romantik, mit einem weiten, geschürzten und daher nicht ganz bis auf die Knie reichenden Gewand, darüber einen rückwärts geschlagenen Mantel, in der Linken das Schwert haltend uns bärtigem und barhäuptigen Kopfe.

  • Um 1910 wies die Figur, die nahezu sieben Jahrhunderte in der kleinen Dorfkirche am Harz überstanden hatte, nur noch spärliche Farbreste auf. Auch fehlten ihr bereits die Füße. Es wurde jetzt auch höchste Zeit, dass sie ins "Vaterländische Museum" in Braunschweig überführt wurde, denn die Dorfjugend vergnügte sich recht respektlos mit der uralten Plastik, genauso wie mit den zahlreichen Schwertern, Spießen und anderen Waffen aus der Schlacht bei Lutter am Barenberge (1626), die man gemeinsam mit der Heiligenfigur im Kirchturm aufhob.

  • Sämtliche Altertümer schaffte man kurzerhand nach Braunschweig, und damit war zunächst deren Erhaltung gesichert.

  • Unbeschädigt im 1. und 2. Weltkrieg und in den turbulenten Nachkriegsjahren überdauerte "der Romanus" nahezu 6 Jahrzehnte im Museum in Braunschweig - bis zum 19. Oktober 1970 -, als es einem Einbrecher gelang, die Figur zu entwenden. Doch noch im gleichen Monat konnte die auf 35.000,00 DM geschätzte Plastik bei einem 18 Jahre alten Arbeiter sichergestellt werden, der sie bereits mit anderen Diebesgut verpackt und mit der Adresse eines Antiquitätenhändlers versehen hatte.

  • Wer nun angenommen hatte, dass das "Braunschweigische Landesmuseum für Geschichte und Volkstum" - wie das frühere "Vaterländische Museum" jetzt genannt wird - durch Schaden klug geworden wäre, der hatte sich geirrt. Anscheinend wurden wiederum nur ungenügende Sicherheitsmaßnahmen - Anstellung eines Nachtwächters - ergriffen, denn wie wäre sonst möglich gewesen, dass der Romanus zusammen mit zwei anderen Heiligenfiguren im März 1973 erneut aus dem Museum entwendet werden konnte? Nach Auskunft des Landesmuseums konnte die Figur bisher nicht wieder ermittelt werden.