Ev.-luth. Kirchengemeinde
Hahausen-Nauen im Neiletal

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St. Romanus Gemeindehaus
Triftweg 8a, 38229 Hahausen
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Der Neilebote
Mitteilungsblatt
der ev.-luth. Kirchengemeinden
St. Georg zu Lutter am Barenberge
und Hahausen - Nauen im Neiletal

 

Liebe Leserin,
lieber Leser,

‚Singt Gott ein neues Lied!‘, so beginnt der Psalm 98, den ich gerne zu Ostern bete. Ich bin ziemlich sicher, dass   damit kein neues Kirchenlied gemeint ist. Es ist vielleicht überhaupt kein Lied im engeren Sinne gemeint.

Aber lassen Sie mich zunächst fragen, wie denn das alte Lied geht, das jetzt nicht mehr gesungen werden soll? Meistens geht es ja nach der alten Melodie. Wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Wenn wir über Ungerechtigkeiten, die andere betreffen, hinweg-sehen. Wenn wir in erster Linie uns selbst die Nächsten sind. Wenn wir   abschätzig über  andere reden. Wenn wir uns beklagen und unzufrieden sind, weil doch alles immer schlimmer und schwieriger wird. Dann geht es immer und immer wieder nach der  alten Melodie. Die macht uns schwer, die engt uns ein, die lässt kein Gefühl von Leichtigkeit aufkommen.

Mit dem Osterfest will Gott uns ein neues Lied beibringen. Die Melodie nimmt uns mit, macht uns das Herz leicht. Wir merken: So kann es auch gehen. Anders. Solidarisch. Einander zugewandt. Liebevoll. Zuversichtlich.

Diejenigen, die den 98. Psalm       geschrieben haben, waren in einer ganz bestimmten geschichtlichen Situation. Warum hatten sie das   Bedürfnis nach einem neuen Lied? Sie gehörten zu jenen Juden, die nach vielen Jahren im Exil in Babylonien wieder in ihre Heimat zurück-kehrten.

Für sie ist diese Rückkehr ein Wunder, genauso, wie früher die Befreiung der hebräischen Sklaven aus Ägypten ein Wunder  gewesen ist. Auch bei der jetzigen Heimkehr sehen sie Gott am Werk.  

Alles wird gut, denken sie. Weil das eine so starke Hoffnung und Freude auslöst, singen sie ein Freudenlied und laden Erde und Meer, Berge und Flüsse ein, in das Lied einzustimmen.

Viele Jahrhunderte später sehen die ersten Christen in den Worten und Taten von Jesus von Nazareth Gott selbst am Werk.

Jesus sagte: „Gott kommt nicht so, dass man es sehen kann und sagen: Hier ist das Gottesreich!“ Die neue Welt Gottes wächst im Kleinen und Verborgenen. Gott kommt und ist schon da, wo eine dem anderen vergibt, wo zwei miteinander teilen, wo Menschen einander heilen und Frieden gönnen. Anstatt Programme zur Herstellung von Gerechtigkeit zu entwickeln, hat er eingeladen zu Tischgemeinschaften. Mit dem     Zusammenkommen an einem      gemeinsamen Tisch hat Jesus Menschen aufeinander bezogen und sie füreinander verantwortlich gemacht.

Er hat benachteiligten Menschen Mut gemacht und sie befähigt, selber zu handeln und aufrecht durchs   Leben zu gehen. Jesus teilt Leben und Sterben mit uns, unbedingt.

Aus solchen Erfahrungen nährt sich unsere Osterfreude. Und aus solchen Erfahrungen entstehen auch heute immer wieder neue Lieder!

Pastor Sebastian Schmidt